Geistliches Wort                         zum Tag der SE 2017 

Pfarrer Daniel Psenner

Predigt in der Hl. Messe zum Tag der SE 2017

15.10.2017 in St. Michael in Weiler i.d.B.

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

im vergangenen Jahr haben das Prozessteam und die Kirchengemeinderäte sich intensiv mit den Wünschen und Verbesserungsvorschlägen, die an uns herangetragen wurden auseinandergesetzt. Vieles davon ist auch sehr widersprüchlich. Die einen sehen es so. Die anderen sehen es anders. Wie immer im Leben. Wir Menschen sind unterschiedlich. Mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Eigenarten.

 

Wir haben auch auf die unterschiedlichen pastoralen Orte geschaut, die es in und um unsere Seelsorgeeinheit gibt. Wo also Menschen mit uns in Berührung kommen, die sonst nicht in der Nähe der Kirche sind. Oder Orte, wo Menschen aufmerksam werden auf ihre eigene Lebenssituation und froh wären, sie hätten eine Begegnung mit glaubenden Menschen, die ihnen hilfreich ist.

Pastorale Orte sind aber auch solche Orte, wo Menschen uns brauchen könnten, aber wir nicht oder kaum präsent sind oder wahrgenommen werden.

 

Von Zeit zu Zeit werfe ich in der Krankenhauskapelle einen Blick in das Fürbittbuch, in das Menschen ihre Anliegen, die sie vor Gott bringen möchten, hineinschreiben können. Vor einiger Zeit war da ein Eintrag von einem Kind zu lesen. Da hieß es:

Lieber Gott, du bist der Beste, du lebst leider nicht mehr, deswegen beten wir immer.

 

Welche Erfahrung hat dieses Kind gemacht?

Eine ganz andere, wie es zunächst scheint. Ich habe mich zunächst von dem Satzteil provozieren lassen…..du lebst leider nicht mehr. Es ist eine Chiffre für die Erfahrung, dass Gott oft nicht wahrgenommen und erfahren wird. Dass er so leise ist und wir schon gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass er eine Rolle in meinem Leben spielen könnte, obwohl ich Sehnsucht danach habe.

Was das Kind betrifft….dürfen wir jedoch nicht übersehen: Das Kind betet ja zu Gott. Es spricht ihn an, weil er ansprechbar ist. Die anderen beiden Sätze sind dann noch viel aufschlussreicher. „Gott du bist der Beste! Deswegen beten wir immer!“

 

Die Jünger erfahren das auch so. Nach seiner Himmelfahrt ist Jesus weg, aus dem Augenschein verschwunden. Das ist für die Jünger eine Herausforderung. Denn jetzt geht es darum, die neue, total veränderte Situation zu ergreifen und zu gestalten.

Auch wenn Jesus nun weg ist, bleiben die Jünger dennoch mit ihm verbunden durch etwas Neues. Er hat uns von seinem Geist gegeben. So beschreibt es der erste Johannesbrief.

 

Die neue Verbindung zwischen Gott und Mensch ist durch den Heiligen Geist gewährleistet. Und in diesem Geist wissen sich die Jünger mit Christus verbunden und bestärkt, seine Lebensweise weiterzuführen. Auch gegen Widerstände.

Aber woran erkennt man, dass die Jünger den Heiligen Geist haben? Im Johannesbrief heißt es: Wir haben die Liebe erkannt, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott.

Auf eine Formel gebracht: Da wo Liebe ist, ist der Heilige Geist. Das Gesicht des Heiligen Geistes ist Liebe.

 

Weil zur Liebe immer zwei gehören, ist es auch bei Gott so. Er gibt uns den Heiligen Geist, er gibt uns seine Liebe. Damit diese Liebe in uns und durch uns Gestalt gewinnen kann, braucht es auch eine Antwort unsererseits.

Das Kind aus dem Fürbittbuch hat das ganz genau erfasst. Leider lebst du nicht mehr, deswegen beten wir immer. Das Beten, das Sprechen mit Gott, ermöglicht uns, ihm auf seine Liebe zu antworten. Und wieder neu seine Liebe zu empfangen, den bösen vom guten Geist zu unterscheiden und in der Verbindung mit Gott zu bleiben.

 

Im Beten, das Im-Heiligen-Geist-Sein bewahrt uns davor, dass wir uns allein gelassen fühlen, dass wir in der Bedrohung der Einsamkeit und im Gefühl tiefster Isolation den Glauben nicht verlieren.

Und dabei ist es völlig gleichgültig, wie wir beten. Ob in der Bitte oder im Dank, im Feiern oder in der Stille, in der Klage oder im Schreien, im Zorn, den wir gegen Gott hegen oder in der mystischen Begegnung. Wichtig ist einzig: Dass wir mit ihm reden.

 

Robert Kardinal Sarah hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Die Kraft der Stille“. Er sagt, dass die wahren Fragen des Lebens sich in der Stille stellen. Und auch in der Stille entschieden werden. Dass die Stille in der modernen Gesellschaft in Verruf geraten ist, das sei das Symptom einer schweren und beunruhigenden Krankheit.

Unsere Welt heute ist nicht nur laut, sondern in unserer Welt ist die Stille verpönt, so dass sie stets vertrieben wird. Nur der, der am lautesten schreit wird beachtet. Nur der am meisten mit dem Geld klimpert oder mit den Säbeln rasselt, kann seine Macht behaupten. Nur der, der sich am besten in Szene setzen kann, genießt Ansehen.

Und laute Schreier sind mächtig. Sie können Stimmung machen und labile Menschen mitreißen. Sie bilden Meinungen, die unreflektiert  übernommen und tradiert werden.

 

Ich glaube, liebe Schwestern und Brüder, wir dürfen als Gemeinschaft von glaubenden Menschen nicht in diese Falle tappen, die da aufgestellt ist. Wir sind in der Versuchung entweder auch in aller Lautstärke mitzuregieren oder aber wir reagieren ständig in Abwehrhaltung und rechtfertigend auf Angriffe und Ansprüche. Das sind kurze Feuerwerke, die aber den Menschen nicht in der Tiefe befrieden und die Gottesbeziehung stärken.

Neben den viele Forderungen an die Kirche, die oft lauthals herum posaunt werden, gibt es auch die Gleichgültigkeit. Die Gleichgültigkeit kommt zwar still daher ist aber oft nichts anderes als laute Verachtung. Es ist nicht leicht zu unterscheiden, aus welcher Haltung Ansprüche und Wünsche formuliert werden.

Aus Ärger, oder aus Enttäuschung. Aus dem Gefühl, dass etwas fehlt. Aus dem Wunsch, dass der Glaube und die kirchliche Gemeinschaft relevant ist für das Leben der Menschen. Aus der Sehnsucht nach Gott. Aber das zu unterscheiden, meine ich, gilt es.

 

Kardinal Sarah schreibt: „Ohne die Fähigkeit still zu sein, ist der Mensch nicht in der Lage seine Umwelt wahr zu nehmen, sie zu lieben und sie zu verstehen. Die Nächstenliebe erwacht in der Stille. Stille und Frieden sind wie zwei Herzen, die im gleichen Takt schlagen!“ Die Stille hilft, mit Distanz und mit dem Blick Gottes auf die Dinge zu schauen.

Wenn ich jetzt noch einmal auf unseren Erneuerungsprozess und unseren begonnen Weg schaue, dann sehe ich, dass wir mit viel Geduld und unaufgeregt, mit der inneren Haltung der Stille, wahrgenommen haben, was Menschen uns mitgeteilt haben. Wir haben es mit sehr viel Liebe behandelt. Und zu verstehen und unterscheiden versucht.

 

Daraus sind Ideen und Inspirationen gewachsen. Nichts Großes. Keine Umstürze. Das wäre wieder laut.

Die Haltung der inneren Stille und das Gebet helfen bei den wirklich zentralen Dingen zu bleiben und sich nicht verunsichern zu lassen. Den Kern der Botschaft zu leben mit den Menschen, die da sind. Und nicht aufzuhören, Menschen immer wieder in die Gemeinschaft der Glaubenden einzuladen.

 

Liebe Schwestern und Brüder, ich möchte noch gerne einen kurzen Blick auf das Evangelium werfen. Es ist das Evangelium vom heutigen Sonntag.

Auch so eine Herausforderung. Wenn die Gäste, die eingeladen sind, nicht zum Fest kommen. Enttäuschend und frustrierend. Eine Frau sagte diese Tage: „Man muss sich ja schämen….jetzt ist Kirchweih und so wenig Leute sind in den Gottesdienst gekommen!“ Wir kennen dieses Gefühl.

Ich finde das Gleichnis, das Jesus erzählt, unheimlich spannend. Da werden Hochzeitsgäste eingeladen und sie kommen nicht. Gleichgültig sind sie. Der eine geht in seinen Acker wie immer, der andere in seinen Laden. Und die nächsten löschen die lästigen Hochzeitswerber einfach  radikal aus.

 

Jesus erzählt das aber nicht, um sich über all die Leute herzumachen, die da nicht kommen. Er lässt sie.

Nein, er will die Ältesten und die Hohenpriester aufmerksam machen, dass es da noch andere gibt. Dass wir unseren Blick wenden müssen auf jene, die da auch noch sind. Die wir noch nicht gesehen und angesprochen haben. Gute, Böse ganz egal.

Das Entscheidende ist, dass jene Menschen, die bereit sind, die Einladung und Gabe Gottes anzunehmen, zu einem inneren Frieden kommen. Nicht die Vielzahl ist dabei wichtig, sondern das Herz.

 

Es kommt darauf an, den Blick zu wenden, nicht auf die großen Schreier, sondern auf jene, die unbeachtet eine Sehnsucht nach Gott im Herzen haben. Und alles dafür zu tun, dass diese Menschen ihrer Sehnsucht nachgehen können. Dass sie stark werden können im Vertrauen und im Glauben. Kinder, Jugendliche Erwachsene. An den unterschiedlichen Orten und auch in den unterschiedlichen Formen.

Und in der Überzeugung: Lieber Gott, du bist und bleibst der Beste!    

 

Amen.

 

 

 

 

Legende
 

SE  = Seelsorgeeinheit

BA  = Bargau

BE  = Bettringen

DE  = Degenfeld

WE = Weiler 

OB  = Pfarrkirche, Oberbettringen

AP = Altes Pfarrhaus, Oberbettringen 

UB  = Ottilienkirche, Unterbettringen

LH  = Auferstehung-Christi-Kirche, Lindenfeld-Hagenäcker

Li  = Haus Lindenhof

BER = Begegnungsstätte Riedäcker, Oberbettringen

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